BDA Masters 2017

Studienförderpreis für Bachlor-Absolventen

Seit 2008 vergibt der BDA Landesverband NRW jährlich einen Studienpreis, den "BDA Masters". Mit diesem Preis möchte der BDA besonders begabten Absolventinnen und Absolventen der Bachelorstudiengänge Architektur und Städtebau an Hochschulen in NRW einen Anreiz geben, ein Masterstudium anzuschließen. Denn der BDA ist der Überzeugung, dass die Anforderungen, die sich dem Berufsstand in gestaltterischer, technischer, ökologischer und sozialer Hinsicht heute stellen, ein breit angelegtes, zehnsemesteriges Studium erfordern. Das Büro STOTTROP STADTPLANUNG wurde 2017 bereits zum zehnten Mal mit der Betreuung des Studienpreises beauftragt.

Zur Teilnahme an dem Auszeichnungsverfahren sind nur solche Bachelorabsolventen zugelassen, die in Kürze ein Masterstudium aufnhemen wollen oder bereits damit begonnen haben. Die schriftliche Empfehlung der Dekanin oder des Deklans ist erforderlich. Die Preise werden für herausragende Bachelorarbeiten jeglicher Aufgabenstellung vergeben, die im laufenden oder im vorhergehenden Semester abgeschlossen wurden. Die Preisträger - fünf pro Jahr - erhalten ein Preisgeld in Höhe von je 2.000 Euro.

 
Jury BDA Master 2017:

  • Gert Lorber, Vorsitzender des BDA Landesverbandes NRW 
  • Dipl.-Ing. Beate Burhoff, Architektin BDA, Münster
  • Tobias Gövert, Architekt und Urban Designer ARB, London
  • Dipl.-Ing. Ragnhild Klußmann, Vorstandsmitglied des BDA Landesverbandes BRW, Köln
  • Dipl.-Ing. Richard Schmalöer, Vorsitzender des BDA Dortmund-Hamm-Unna, Dortmund

Am 20.11.2017 fand die Jurysitzung und Preisverleihung an der diesjährigen Partnerhochschule FH Dortmund statt.

Ausgezeichnet wurden folgende 6 Preisträger*innen. Die Jury entschied sich zudem zusätzlich eine Arbeit lobend zu erwähnen.

 

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Die diesjährigen Preisträger*innen

Max Leistikow: Mind the Gap – Nine Hours Micro Hotel in New York
Hochschule Bochum, Fachbereich Architektur
Betreuer: Prof. Erhard An-He Kinzelbach

Mit Mind the Gap spricht die Arbeit Aufgaben an, die im übertragenen Sinne jeder Architekt zu leisten hat: Lösungen zu suchen, wo es scheinbar keine Antworten gibt. Dies gelingt der Arbeit auf vortreffliche Weise, indem sie die Highline im Südwesten Manhattans durch Integration in den Kontext weiterentwickelt. Der ohnehin schon artifizielle Wegraum der Highline wird durch die gleichzeitige Verknüpfung mit zwei Orträumen, der Markthalle und dem Hotel, akzentuiert und trotz seiner abgehobenen Lage auf das Niveau der Straße und in die Vertikale gebracht. Dem Bewegungsfluss der Highline folgende Rampen verbinden diese wie selbstverständlich mit der Markthalle und der Lobby sowohl räumlich als auch funktionell.

Der extrem schmale Baukörper des die Highline überragenden Hotels erfüllt auf engstem Raum alle Bedürfnisse eines urbanen Nomaden und stellt mit seiner grünen Fassade, die auf unterschiedliche Jahreszeiten mit unterschiedlichen Erscheinungsformen reagiert, eine selbst in Manhattan auffällige Landmarke dar.
Die Arbeit überzeugt sowohl durch die „feinfühlige“ Radikalität ihres Ansatzes als auch durch die Seriosität der Absichten und die konsequente städtebauliche und architektonische Durchdringung.
Im Gegensatz zu den großenteils autistisch anmutenden Hochhauskollegen im näheren Umfeld verfügt das Konzept trotz seiner vergleichsweise geringen Höhe das Talent, sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für die zeitgenössischen Highlights in diesem an Architekturen nicht armen Stadtteils von New York zu entwickeln.

 

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Max Leistikow: Mind the Gap – Nine Hours Micro Hotel in New York

Annika Reinhold: Schutzhaus+ – Ausstellungs- und Veranstaltungsraum für das Lübecker Gründungsviertel
Fachhochschule Münster, msa münster school of architecture
Betreuer: Prof. Michael Schanné

Den eingeschränkten Freiraum für die Rekonstruktion von drei historischen Stadthäusern in der Lübecker Innenstadt nutzt die Verfasserin für ein zurückhaltendes, aber überzeugendes Entwurfskonzept.
Die durchgängig transluzente Fassadenmembran für die archäologischen Funde abstrahiert die Form der Giebelhäuser und überführt sie in eine moderne und skulptural wirkende Architektur. Die Ausgrabungsstätte erhält eine einfache und einleuchtende Erschließung über einen Steg, der gleichzeitig beide Seiten des Gebäudes zu einem lohnenden öffentlichen Durchgang verbindet.
Die zusätzliche Nutzung der Räume im OG für das Architekturforum zeigt eine kritische Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung und überzeugt durch die Nutzungsverdichtung und mögliche Betreiberkonzepte. Gleichzeitig wird im OG die räumliche Gliederung der ehemals drei Häuser geschickt nachvollzogen und macht die Geschichte des Ortes in der Raumfolge erlebbar.

Die Klarheit des architektonischen Konzeptes, die Ausarbeitungstiefe und eine durchgängig gute Darstellung haben die Jury überzeugt.

 

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Annika Reinhold: Schutzhaus+ – Ausstellungs- und Veranstaltungsraum für das Lübecker Gründungsviertel

Jaqueline Statnik: Kulturhaus Duisburg – Bibliothek und Mediathek
Fachhochschule Dortmund
Betreuer: Prof. Diana Reichle, Prof. Christine Remensperger

Die Aufgabe, innerhalb des neu geplanten Mercatorquartiers, dessen Layout durch den Masterplan von 2011 vorgegeben wird, ein Kulturhaus als Bibliothek für Kunst, Musik und Geschichte zu entwickeln, wird von Frau Statnik souverän gelöst. Die städtebauliche Figur wird durch einen mehrfach geknickten drei- bis viergeschossigen Stadtblock gebildet, der sich um einen kontemplativen Innenhof gruppiert. Durch die Höhenstaffelung dezent geneigter Dächer wird die städtebaulich bedeutsame Ecke am Rand des Parkbandes betont. Zur historischen Mauer und den archäologischen Funden hält das Gebäude einen gebührenden Abstand, ohne die Bezüge zu verweigern. Die leicht zurückversetzte Fassade im Erdgeschoss, die das unterirdische Grabungsfeld sichtbar lässt, leitet wie selbstverständlich in das großzügige offene Foyer, von dem aus eine zentrale Treppe, die auch als Sitzmöbel fungiert, die oberen Geschosse erschließt.
Überzeugend ist, dass den Fachbereichen der Bibliothek unterschiedlich orientierte Lesesäle zugeordnet sind, die jeweils besondere Raumqualitäten bieten. Die Grundrissorganisation des Gebäudes ist durchdacht und bietet sogar für Sehbehinderte und Blinde eine gute Orientierung. Materialwahl und Farbigkeit sind angenehm zurückhaltend.

Insgesamt handelt es sich um eine solide Arbeit mit einem pragmatischen Ansatz, der durchaus realisierbar erscheint.

 

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Jaqueline Statnik: Kulturhaus Duisburg – Bibliothek und Mediathek

Maximilian Steverding: Aerographen – Luftzeichner
und
Aldis Pahl: WEISS
Fachhochschule Münster, msa münster school of architecture
Betreuerin: Prof. Kirsten Schemel

Zwei Arbeiten fallen deutlich aus dem ohnehin schon bunt gemischten Kreis der Projekte heraus. Während an einigen beteiligten Hochschulen die konstruktive Ausarbeitung im Vordergrund zu stehen scheint, ist es an anderen eher die gesellschaftlich-soziale Komponente. In Münster dagegen gibt es eine Leidenschaft für künstlerisch-theoretische Ansätze. Die beiden Arbeiten, die am Lehrstuhl von Kirsten Schemel auf diese Art entstanden sind, sind von der Jury jeweils mit einem halben Preis ausgezeichnet worden.
Die Mitglieder der Jury sind Architekten, deren beruflicher Schwerpunkt das Bauen ist. Umso wohltuender ist es, im Rahmen einer solchen Beurteilungsrunde mit der Erforschung elementarer Bestandteile der Architektur konfrontiert zu werden. In diesem Fall mit der Luft und der Farbe Weiß.

Maximilian Steverding nennt seine Arbeit „Aerographen – Luftzeichner“. Sein Versuch über die der Luft innewohnenden architektonischen Qualitäten führt ihn zu so absonderlichen Wesen wie den „Luftmaschen“, die als feines, nur von Temperaturschwankungen in Bewegung gesetztes Gewebe einen Raum zum Vibrieren bringen; oder zu „Windtüchern“, der Erweiterung der fragilen Gewebe in die Flächigkeit; und letztendlich zur „Wolkenblase“, in der sich der Gedanke von sich im Nichts auflösendem Raum versinnbildlicht.
Warum macht Herr Sieverding das?
Fingerübungen, Lockerung, gedankliche Dehnungsaufgaben zum Über-den Tellerrand-Schauen. Das hat, zugegeben, wenig mit Bauen zu tun, setzt aber eine intensive Vorarbeit mit Gebautem voraus. Diese weist Maximilian Steverding in seinem zweibändigen Buch zur Arbeit nicht nur nach, sondern verknüpft seine Kenntnisse auch wunderbar mit den verschiedensten Bereichen künstlerischen Schaffens.

Aldis Pahl geht der Nichtfarbe Weiß nach und spürt ihren physikalischen und phänomenologischen Eigenschaften nach, um daraus einen konkreten skulpturalen Raum zu schaffen, den sie als Spirale bezeichnet und der seinen Besucher, Betrachter oder Benutzer ganz in sich einschließt und so mit der Vergänglichkeit alles Irdischen konfrontiert. In der Kombination des neuen weißen Kunstwerks mit dem ruinösen Mauerwerk, in das es eingeschrieben wird, stellt Aldis Pahl ihre Arbeit in den Zusammenhang zu romantischer Ruinenarchitektur, um sie mit einem melancholisch-kontemplativen Element ausgesprochener Modernität fortzuschreiben.

Die Vorgehensweisen der beiden Preisträger haben uns so gut gefallen, dass wir sie gerne ausgezeichnet haben, auch auf die Gefahr hin, uns ein wenig von der Architektur wegbewegt zu haben. Wir sind sicher, die beiden Preisträger kommen auf dem Umweg über die Kunst wieder zu ihr zurück.

 

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Maximilian Steverding: Aerographen – Luftzeichner

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Aldis Pahl: WEISS

Stephanie Strehlau: Collaborative Living
Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Architektur
Betreuer: Prof. Diana Reichle, Dipl.-Ing. Olaf Allstedt

Die städtebauliche Arbeit von Stephanie Strelau setzt sich sehr vielschichtig mit dem aktuellen Thema „Wohnen“ auseinander. Als Baugrundstück wurde eine bisher ungenutzte Brachfläche nördlich des Dortmunder Hauptbahnhofes ausgewählt. Die prominente, aber auch schwierige Lage wird aktuell eher als Barriere wahrgenommen. Durch die städtebauliche Neuordnung wird hier die Anknüpfung der Nordstadt an die Innenstadt Dortmunds geschickt gelöst.
Die Übernahme der Blockstruktur der angrenzenden Bebauung wird überzeugend übernommen und modifiziert. Der so geschaffene Blockinnenbereich ist als große Freifläche mit einem umfangreichen Nutzungsangebot für die Bewohner gestaltet.
Die neuen Baukörper werden in der Höhenentwicklung stark gestaffelt, so dass trotz des großen Gebäudevolumens eine differenzierte, maßstäbliche Bebauung entsteht.
Die überhöhten Erdgeschosszonen sollen ausschließlich als gemeinschaftliche Flächen genutzt werden. Kommunikation, Begegnung und gemeinschaftliches Lernen und Arbeiten stehen bei diesem Projekt im Vordergrund. Zudem werden vielfältige und gut funktionierende Wohn- und Erschließungsformen angeboten, so dass eine soziale Durchmischung der Bewohner realistisch erscheint.
Die Fassaden sind differenziert durchgearbeitet und gehen durch die Ausbildung von vorgelagerten, verglasten Wintergärten auf die Lärmproblematik der Bahngleise ein.

Insgesamt handelt es sich um ein spannendes Projekt, welche sich mit städtebaulichen Brachflächen an schwierigen Standorten auseinandersetzt. Die Jury würdigt den vielschichtigen Entwurfsansatz als gelungenen Beitrag zum Thema Wohnen unter Berücksichtigung der sozialen und gemeinschaftlichen Aspekte.

 

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Stephanie Strehlau: Collaborative Living

LOBENDE ERWÄHNUNG

Jano Knopp und Balthasar Moos: Leitfaden zur Sanierung von Holzgitterschalentragwerken am Beispiel der Multihalle Mannheim
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Mathias Wirths

Ein tolles Thema und imposanter Beitrag mit konkretem Praxisbezug, gleichzeitig eine unkonventionelle Bachelorarbeit für Architekturstudenten! Hervorragende statische Arbeit wurde geleistet mit tiefgründigem Wissen und Übertragbarkeit der Lösungsansätze im Vordergrund. Wichtiges Ziel ist die möglich kostengünstige bauliche Erhaltung dieses qualitätvollen Bauwerkes aus der Mitte der 1970er Jahre (Architekten: Frei Otto, Carlfried Mutschler, Joachim Langner), dem der Abriss droht.
Fehlende Analysen und Ideen zur architektonischen Gestaltung, städtebaulichen Bedeutung und möglichen Umnutzung des Gebäudes führen allerdings dazu, dass die Jury keinen Preis verleihen möchte. Sie spricht jedoch aus den folgenden Gründen eine Lobende Erwähnung aus:
Das Team hat sich gut ergänzt in der Aufteilung der Arbeit und im Einsatz technischen Know-hows. Laservermessung und Holzbaukunde wurden aktiv zur Lösungsfindung hinzugezogen. Der Prozess der Problemanalyse bis zur Lösung wurde nachvollziehbar und überzeugend dargelegt.
Eindrucksvolle große Modelle sowie Zeichnungen, Diagramme und Details bringen auch dem Nicht-Fachkundigen die Thematik nahe. Die Darstellungen, insbesondere die Modelle, sind wie Ausstellungsstücke eines technischen Museums konzipiert, das den oft passiven Besucher aktiv mit einbindet. Ein nüchterner Ingenieursansatz kann auf diese Weise einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Es werden praktische Lösungen vorgeschlagen, die nach Einschätzung der Jury übertragbar sind auf vergleichbare Erhaltungs- und Sanierungsaufgaben.

Masterstipendien für Bachelorabsolventen

Jano Knopp und Balthasar Moos: Leitfaden zur Sanierung von Holzgitterschalentragwerken am Beispiel der Multihalle Mannheim