Studienpreis für Bachelorabsolventen als Motivation zur Fortführung eines Masterstudiums

BDA Masters 2016

Auszeichnung der folgenden Arbeiten im Rahmen der Preisverleihung am 18.11.2016:

Christian Corral, Matthias Gebhardt, Peter Mathies: Wohnen an der Leine, Hannover
FH Bielefeld, Campus Minden, Fachbereich Architektur
Betreuung: Hon.-Prof. Gesche Grabenhorst

Juryurteil:
Das Projekt überzeugt durch seinen autonomen typologischen Ansatz, der konsequent aus der Umgebung abgeleitet wird. Aus der angrenzenden Gründerzeitstruktur wird der Gegensatz zwischen strenger Fluchtlinie entlang der Straßen und der vor- und zurückspringenden Kubatur der Rückseiten abgeleitet und zum Ideengeber für einen skulpturalen Baukörper. Die Zeile, die den Innenblock zur Leine hin begrenzt, ohne den Garten ganz vom Freiraum zu trennen, wird zu einer kommunikativen Wohnform entwickelt. Die Erschließung erfolgt in überzeugender Weise vom Weg entlang der Leine aus, der durch die Anordnung der Zufahrt autofrei bleiben kann. Der massive Backsteinbau mit einprägsamer Fassade löst sich nach oben hin auf und macht Loggien und Terrassen Platz, die Raum für das Miteinander auch im Außenbereich zulassen. Die bei der reinen Nordsüdlage konsequent durchgesteckten Wohnungen sind für unterschiedliche Ansprüche und folgerichtig auch als Maisonetten konzipiert.
Den Verfassern gelingt ein spielerischer Umgang mit dem Skulpturalen, wodurch sich das Gebäude von der Umgebung absetzt und dennoch städtebaulich einfügt. Insgesamt überzeugt die Arbeit durch eine lebendige Gebäudekonfiguration und einen eigenständigen Ausdruck.

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Visualisierung

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Lageplan

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Grundriss (EG)


Katrin Micheel: Therme Berlin
Hochschule Bochum, Fachbereich Architektur
Betreuung: Prof. Katharina Feldhusen

Juryurteil:
An der städtebaulichen Schnittstelle zwischen dichter städtischer Bebauung und offener Grünfläche zur Naherholung bildet die Arbeit „quiet moment“ eine Art Filter aus, der diesen Übergang räumlich akzentuiert. Die kammartig aufgereihten Baukörper vermitteln durch ihre Gebäudehöhe zwischen diesen beiden Welten und dienen im Inneren des Bades einer sehr differenzierten Lichtführung, die durch die Jury ausdrücklich gewürdigt wird. Die Aufteilung des Gebäudevolumens in einen kleineren oberirdischen Baukörper als Eingangsgebäude und ein unterirdisches großes Bauvolumen des Bades ist gut nachvollziehbar. Insbesondere der Rundweg und die daran angebundenen unterschiedlich warmen oder kalten Wasserbecken lassen einen entspannten und zugleich stimmungsvoll-sinnreichen Aufenthalt erwarten. Unterstützt durch die unterschiedlichen Belichtungsszenarien und eine homogene durchgängige Oberflächengestaltung hat der Ort das Potential, im besten Sinne zum Fluchtpunkt im hektischen Stadtgeschehen zu werden. Insgesamt ein stimmiger Entwurf, der die Entwurfsaufgabe sowohl in städtebaulicher Hinsicht als auch architektonisch präzise löst.

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Schnitt

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Architektonische Herleitung

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Grundriss

Marko Hüsch: Deutsches Kulturforum New York
Hochschule Bochum, Fachbereich Architektur
Betreuung: Prof. Gernot Schulz

Juryurteil:
Selbstbewusst und einladend zeigt sich der Entwurf für das Deutsche Kultur Forum in NYC, welches in einer scheinbar unbebaubaren schmalen Fuge von 8 m Breite in der New Yorker Upper East Side direkt gegenüber des Metropolitan Museums entstehen soll. Auf einer tiefen Parzelle wachsen aus einem verbindenden Sockelgeschoss zwei schlanke Türme empor, in dem sich Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Begegnungsräume sowie eine Bibliothek in räumlich sinnvoller Abfolge stapeln. Eine mehrgeschossige Brücke bindet die Türme in den obersten Geschossen zu einem Ringschluss zusammen. Dem Entwurfsverfasser ist es gelungen, diese innere Raumfolge, die als vertikaler Ring funktioniert, auch auf die Fassadenstruktur zu übertragen und somit von außen lesbar zu machen. Dies wird sowohl in der Fuge, als auch besonders im oberen Teil des Gebäudes sichtbar, in dem sich die beiden Türme mittels einer mehrgeschossigen Brücke verbinden. Dabei überragt diese die seitlichen Nachbargebäude großzügig. Durch die verglasten Fassaden gewährt das Gebäude Einblicke und transportiert gleichzeitig das Geschehen im Inneren nach draußen: Ein Willkommensgruß! Die Arbeit ist präzise gesetzt, sauber komponiert und mit Haltung in die Silhouette des Straßenraums eingefügt.

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Visualisierung

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Schnitt

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Modell

Fabrice-Noel Köhler: WATAN: Ort des Ankommens
TH Dortmund, Fachbereich Architektur
Betreuung: Prof. Christine Remensperger, Prof. Diana Reichle

Juryurteil:
Die Arbeit WATAN beschäftigt sich intensiv mit der komplexen Flüchtlingsproblematik und stellt das Thema Heimat und Familie in den Vordergrund. Ausgehend von dem Bestreben, Flüchtlingen eine vertraute, ihren Lebenstraditionen entsprechende temporäre Heimat zu geben, wird ein Konzept entwickelt, das dies auf einfache Weise ermöglichen soll. Der dafür gewählte Kontext und der Ort, ein Vorort Istanbuls, sind überlegt gewählt. Das vorgegebene generelle Strukturkonzept des Erdgeschosses, kombiniert mit einem Angebot an Eigenbau in den darüber liegenden Geschossen, stärkt die schnelle Integration in neue Lebensumstände. Die Entwicklung von Innenhöfen mit Gemeinschaftseinrichtungen im Erdgeschoss schafft eine Art kleinmaßstäbliches Quartier. Die darüber liegenden, dem Privatbereich zugeordneten Obergeschosse bieten gute Möglichkeiten des Rückzugs und der Ruhe.
Die entwickelte städtebauliche Struktur mit ihrer heterogenen Körnung und die Maßstäblichkeit der Bebauung fügen sich selbstverständlich in die nachbarschaftliche Umgebung ein. Die Wahl der Materialien sowie die Gestaltung der Fassaden sind mit Ort und Nutzung in angemessener Weise kongruent, wobei man sich die Obergeschosse durchaus auch in Massivbauweise vorstellen kann. WATAN ist ein bemerkenswert unaufgeregter Beitrag zu einer zeitgemäßen Aufgabenstellung, der in seiner rundum überlegten und gewissenhaft umgesetzten Art die wieder wichtiger gewordenen, gesellschaftlich relevanten Aufgaben von Architekten in den Vordergrund stellt. Die Arbeit überzeugt durch ihre eigenständige, vorbildhafte Beschäftigung mit dem Flüchtlingsthema und setzt dieses sowohl in architektonischer als auch sozialer Hinsicht hervorragend um.

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Visualisierung

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Schnitt

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Modell

Richard Pothmann: Haus für Othello
FH Dortmund, Fachbereich Architektur
Betreuung: Prof. Jean Flammang

Juryurteil:
Die Übersetzung des Shakespeareschen Dramas in Architektur als Ausdrucksmittel ist Ausgangspunkt für eine begehbare Skulptur, die für die wesentlichen Aspekte des Stückes räumliche Entsprechungen und Beziehungen findet. In der dynamischen Skulptur werden Treppen und Brücken zusammen mit einer Vielfalt von unterschiedlichen Räumen in einer gemeinsamen Sprache zur Raumwerdung der Tragödie. Überzeugend ist die Interpretation der drei Hauptcharaktere in Form dreier sehr unterschiedlich ausgebildeter Türme, die durch das Drama als vierter Raumstruktur miteinander in Beziehung gesetzt werden. Das Intrigengeflecht des Dramas findet in räumlichen Verflechtungen seine Entsprechung. Der hohe Anspruch, Begriffe wie Liebe, Hass oder Verzweiflung in Raum zu verwandeln und zudem durch den Handlungsstrang in Beziehung zu setzen, wird überzeugend eingelöst. Modellbau, Parallelprojektionen und Skizzen in ganz unterschiedlichen Darstellungstechniken geben die poetische Dimension des Projektes wieder. Die Durcharbeitung aller Aspekte und Seitenwege des Stückes auf einem sehr hohen konzeptionellen, ästhetischen und räumlichen Niveau hat die Jury besonders überzeugt. Ausdrücklich gewürdigt wird die Haltung, mit der Architektur weit jenseits des Zweckmäßigen erdacht wird. Die authentische Präsentation des Schauspielers und angehenden Architekten Pothmann findet sich in der sorgfältig und akribisch herausgearbeiteten Skulptur glaubhaft und überzeugend wieder. Wort und Raum finden zueinander. Architektur wird Poesie.

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Modell

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Ansicht

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Schematischer Grundriss

Seit 2008 vergibt der BDA Landesverband NRW jährlich einen Studienpreis, den 'BDA Masters'. Mit diesem Preis möchte der BDA besonders begabten Absolventinnen und Absolventen der Bachelorstudiengänge Architektur und Städtebau an Hochschulen in NRW einen Anreiz geben, ein Masterstudium anzuschließen. Der BDA ist der Überzeugung, dass die Anforderungen, die sich dem Berufsstand in gestalterischer, technischer, ökologischer und sozialer Hinsicht heute stellen, ein breit angelegtes, zehnsemestriges Studium erfordern. Das Büro Stottrop wurde 2016 bereits zum achten Mal mit der Betreuung des Studienpreises beauftragt.

Zur Teilnahme an dem Auszeichnungsverfahren sind nur solche Bachelorabsolventen zugelassen, die in Kürze ein Masterstudium aufnehmen wollen oder bereits damit begonnen haben. Die schriftliche Empfehlung der Dekanin oder des Dekans ist erforderlich. Die Preise werden für herausragende Bachelorarbeiten jeglicher Aufgabenstellung vergeben, die im laufenden oder im vorhergehenden Semester abgeschlossen wurden. Die Preisträger – fünf pro Jahr – erhalten ein Preisgeld in Höhe von je 2.000 Euro.

Jury BDA Masters 2016:

  • Peter Berner, Architekt, Vorsitzender des BDA Landesverbandes NRW, Köln
  • Prof. Heinrich Lessing, Vorsitzender des BDA Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Mainz
  • Gert Lorber, stellvertretender Vorsitzender des BDA Landesverbandes NRW, Köln
  • Elke Reichel, Mitglied des Präsidiums des BDA Bundesverbandes, Stuttgart
  • Susanne Wartzeck, Vorsitzende des BDA Landesverbandes Hessen, Dipperz

Unten finden Sie Logo, Satzung und Auslobung des BDA Masters 2016 sowie einzelne Auszüge aus den Siegerarbeiten zum Download.